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Pflegeversicherung

Pflegepflichtversicherung in der PKV: Was sie kostet und was sie nicht leistet

Symbolbild zum Ratgeber Pflegepflichtversicherung in der PKV

Neben deiner privaten Krankenversicherung läuft ein zweiter Vertrag mit, den viele Versicherte kaum wahrnehmen, bis der Ernstfall eintritt: die private Pflegepflichtversicherung. Sie ist gesetzlich vorgeschrieben, folgt eigenen Regeln und deckt im Pflegefall deutlich weniger ab, als die meisten erwarten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit deiner PKV bist du automatisch zur privaten Pflegepflichtversicherung verpflichtet, meist beim selben Versicherer.
  • Dein Beitrag berechnet sich wie in der PKV nach Alter und Gesundheitszustand, nicht nach deinem Einkommen.
  • Anders als in der gesetzlichen Pflegeversicherung gibt es in der privaten Pflegepflichtversicherung keinen Kinderlosenzuschlag.
  • Dein Beitrag ist nach fünf Jahren Mitgliedschaft auf den Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung gedeckelt.
  • Die Pflegepflichtversicherung deckt nur einen Teil der tatsächlichen Pflegekosten ab, eine Versorgungslücke bleibt bei den meisten Pflegegraden bestehen.

Bist du als PKV-Versicherter automatisch pflegeversichert?

Ja, und zwar verpflichtend. Seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 muss jeder, der eine private Krankenvollversicherung abschließt, parallel eine private Pflegepflichtversicherung abschließen, meist automatisch beim selben Versicherer und ohne dass du dafür einen eigenen Antrag stellen musst. Diese Kopplung ist kein Zufall, sie stellt sicher, dass niemand in Deutschland ganz ohne Pflegeabsicherung bleibt, unabhängig davon, ob er gesetzlich oder privat krankenversichert ist.

Für dich bedeutet das: Wenn du deinen PKV-Vertrag betrachtest, lohnt sich immer auch ein Blick auf die Pflegepflichtversicherung daneben, denn beide Verträge folgen zwar ähnlichen Grundprinzipien, unterscheiden sich in wichtigen Details aber deutlich voneinander.

Wie wird dein Beitrag zur Pflegepflichtversicherung berechnet?

Nach demselben Grundprinzip wie deine Krankenversicherung: Alter bei Vertragsabschluss und Gesundheitszustand bestimmen die Höhe, nicht dein aktuelles Einkommen. Auch hier baut dein Versicherer über die Jahre Alterungsrückstellungen auf, die spätere Beitragssteigerungen abfedern sollen, das Prinzip kennst du bereits aus deiner Krankenversicherung.

Ein Unterschied fällt dabei besonders auf, wenn du aus der gesetzlichen Pflegeversicherung kommst: Dort richtet sich dein Beitrag nach deinem Bruttoeinkommen, in der privaten Pflegepflichtversicherung dagegen komplett unabhängig davon. Wer ein hohes Einkommen hat, zahlt hier oft weniger als in der gesetzlichen Variante, wer wenig verdient, tendenziell mehr.

Gibt es einen Kinderlosenzuschlag wie in der gesetzlichen Pflegeversicherung?

Nein, und das überrascht viele, die von der gesetzlichen Pflegeversicherung her einen ähnlichen Aufschlag erwarten. In der gesetzlichen Pflegeversicherung zahlen Kinderlose ab 23 Jahren einen Zuschlag von aktuell 0,6 Prozentpunkten, begründet mit der besonderen Rolle von Eltern für die Generationengerechtigkeit des Umlagesystems. Die private Pflegepflichtversicherung kennt diesen Zuschlag nicht, da dein Beitrag ohnehin individuell nach Alter und Gesundheitszustand kalkuliert wird, unabhängig davon, ob und wie viele Kinder du hast.

Dieser strukturelle Unterschied zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich beide Pflegeversicherungssysteme trotz vergleichbarer Grundidee tatsächlich funktionieren.

Wie hoch ist der Höchstbeitrag und wann greift er?

Nach fünf Jahren ununterbrochener Mitgliedschaft in der privaten Pflegepflichtversicherung greift eine gesetzliche Deckelung: Dein Beitrag darf den Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht übersteigen. Diese Grenze schützt dich davor, dass deine individuelle Risikokalkulation über die Jahre unbegrenzt weiter ansteigt, ähnlich einem Sicherheitsnetz nach oben.

Wichtig zu wissen: Diese Deckelung bezieht sich auf den regulären Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung ohne den Kinderlosenzuschlag, den es in der privaten Variante ja ohnehin nicht gibt. Wer diese Grenze im Blick behält, kann seine Pflegeversicherungskosten für die Zukunft realistisch einschätzen, statt sich von Jahr zu Jahr überraschen zu lassen.

Warum reicht die Pflegepflichtversicherung allein oft nicht aus?

Weil sie, ähnlich wie die gesetzliche Pflegeversicherung, nur einen Teil der tatsächlichen Pflegekosten übernimmt, nicht die volle Summe. Je nach festgestelltem Pflegegrad zahlt sie einen festen Zuschuss zum Pflegegeld bei häuslicher Pflege oder zu den Kosten eines Pflegeheims, die tatsächlichen Kosten liegen besonders bei stationärer Pflege in vielen Fällen deutlich darüber. Diese Lücke müssen Versicherte und ihre Familien dann aus eigenen Mitteln oder aus dem eigenen Vermögen schließen.

Aus diesem Grund ergänzen viele PKV-Versicherte ihre Pflichtabsicherung freiwillig um eine private Pflegetagegeld- oder Pflegekostenversicherung, die diese Differenz zwischen den tatsächlichen Kosten und der Pflichtleistung abdeckt. Bei PKV mit System schauen wir uns diese Lücke gemeinsam an und klären, ob und in welcher Höhe sich eine solche Zusatzabsicherung für deine Situation lohnt, denn pauschal beantworten lässt sich das nicht.

Welche Schritte solltest du zu deiner Pflegepflichtversicherung klären?

  • Die Höhe deines aktuellen Beitrags zur Pflegepflichtversicherung bei deinem Versicherer erfragen, falls dir dieser Posten bisher nicht bewusst war.
  • Prüfen, wie viele Jahre du bereits ununterbrochen Mitglied bist und wann die Höchstbeitragsgrenze für dich greift.
  • Die Differenz zwischen der Pflichtleistung und den realistischen Kosten eines Pflegefalls in deiner Region abschätzen lassen.
  • Eine ergänzende Pflegetagegeld- oder Pflegekostenversicherung prüfen, wenn diese Lücke für dich zu groß ausfällt.

Mit dieser Vorbereitung kennst du deine tatsächliche Pflegeabsicherung, statt dich erst im Pflegefall mit den Grenzen deiner Pflichtversicherung auseinanderzusetzen.

Welche Fragen stellen sich noch zur Pflegepflichtversicherung?

Kann ich meine Pflegepflichtversicherung getrennt von meiner Krankenversicherung kündigen?

Nein, beide Verträge sind gesetzlich aneinander gekoppelt, eine isolierte Kündigung nur der Pflegepflichtversicherung ist nicht möglich, solange deine Krankenvollversicherung fortbesteht.

Sind meine Kinder in der privaten Pflegepflichtversicherung mitversichert?

Ja, Kinder sind in der privaten Pflegepflichtversicherung beitragsfrei mitversichert, entsprechend dem Prinzip der beitragsfreien Kindermitversicherung in deiner Krankenversicherung.

Wirkt sich ein interner Tarifwechsel in der PKV auch auf meine Pflegepflichtversicherung aus?

In der Regel nicht direkt, beide Verträge laufen weitgehend unabhängig voneinander, auch wenn sie beim selben Versicherer geführt werden.

Muss ich als Beamter ebenfalls eine private Pflegepflichtversicherung abschließen?

Ja, sobald du dich für die private Krankenversicherung entscheidest, greift dieselbe gesetzliche Pflicht zur privaten Pflegeversicherung wie bei jedem anderen PKV-Versicherten.

Wenn du wissen willst, ob deine Pflegepflichtversicherung im Ernstfall ausreicht, buch dir hier ein kostenloses Erstgespräch mit mir. Ich zeige dir, wo deine tatsächliche Versorgungslücke liegt.

David Spradau
David Spradau
PKV-Berater seit +5 Jahren

David Spradau ist PKV-Spezialist im Experten-Netzwerk der VB Select. Als ausgebildeter Physiotherapeut und Betriebswirt im Gesundheitsmanagement bewertet er Leistungen danach, was im Ernstfall beim Patienten ankommt. Seit über fünf Jahren berät er zur Tarifwahl und zur Tarifoptimierung nach § 204 VVG und hat dabei über 250 Menschen begleitet.

  • Physiotherapeut: Recura Akademie, Abschluss im Jahr 2012
  • Betriebswirt Gesundheitsmanagement: VWA Mecklenburg-Vorpommern, Abschluss im Jahr 2020
  • Bachelor of Business Administration: Steinbeis Hochschule, Abschluss im Jahr 2021
  • Versicherungsfachmann: Industrie- und Handelskammer Leipzig
  • Experte betriebliche Altersvorsorge: Deutsche Versicherungsakademie, Abschluss im Jahr 2023

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David Spradau
David Spradau
PKV-Berater seit +5 Jahren