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PKV trotz erhöhtem Cholesterin: Ab wann kommt es zum Zuschlag?

Symbolbild zum Ratgeber PKV trotz erhöhtem Cholesterin

Erhöhtes Cholesterin gehört zu den häufigsten Auffälligkeiten in der PKV-Risikoprüfung, führt aber nur in seltenen Fällen zur Ablehnung. Eigene Fallzahlen aus der Beratungspraxis zeigen für moderat erhöhte Werte eine Versicherbarkeit von rund 85 Prozent, bei stark erhöhten, unbehandelten Werten sinkt sie deutlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Du musst deine Cholesterinwerte nur angeben, wenn du sie tatsächlich kennst, ein neues Blutbild musst du dafür nicht anfertigen lassen.
  • Ab einem LDL-Wert von etwa 190 mg/dl setzen die meisten Versicherer einen Zuschlag zwischen 10 und 20 Prozent an.
  • Ab einem LDL-Wert von etwa 220 mg/dl steigt das Ablehnungsrisiko deutlich, vor allem in Kombination mit Bluthochdruck oder starkem Übergewicht.
  • Ein bereits behandeltes, gut eingestelltes Cholesterin wird günstiger bewertet als ein unbehandelter, auffälliger Wert.
  • Ein bestehender Zuschlag lässt sich nach Paragraf 41 VVG später streichen, wenn deine Werte nachweislich dauerhaft im Zielbereich liegen.

Musst du erhöhte Cholesterinwerte der PKV mitteilen?

Nur dann, wenn dir die Werte tatsächlich bekannt sind, etwa aus einem früheren Bluttest beim Hausarzt. Eine Pflicht, dich vor dem Antrag extra untersuchen zu lassen, gibt es nicht. Kennst du deine Werte gar nicht, musst du auch nichts angeben.

Ob erhöhtem Cholesterin bei dir eher zu einem Zuschlag oder zu einer Ablehnung führt, kannst du in meinem Vorerkrankungs-Check nachprüfen.

Weißt du dagegen von einem auffälligen Wert, greift Paragraf 19 des Versicherungsvertragsgesetzes: Du bist zur vollständigen und wahrheitsgemäßen Angabe verpflichtet. Das Oberlandesgericht Saarbrücken entschied bereits 2004, dass ein bekannter LDL-Wert von über 330 mg/dl offenzulegen ist, auch ohne akute Beschwerden. Das Landgericht Köln urteilte dagegen 2009, dass nur geringfügig erhöhte Werte ohne Therapiebedarf nicht als anzeigepflichtig gelten.

Wie prüft die PKV deinen Antrag und welche Ergebnisse sind möglich?

Dein LDL-Wert, umgangssprachlich das schädliche Cholesterin, ist die zentrale Kennzahl der Risikoprüfung. Er transportiert Cholesterin von der Leber in die Körperzellen und lagert sich bei dauerhaft zu hohen Werten in den Gefäßwänden ab, was langfristig Arteriosklerose, Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigt.

LDL-Bereich Einordnung Chance auf regulären Tarif
unter 116 mg/dl Zielwert für gesunde Menschen sehr gut, kein Zuschlag
116 bis 160 mg/dl leicht erhöht gut, meist ohne Zuschlag
160 bis 190 mg/dl erhöht eingeschränkt, Zuschlag bei manchen Versicherern möglich
190 bis 220 mg/dl deutlich erhöht Zuschlag zwischen 10 und 20 Prozent üblich
über 220 mg/dl stark erhöht gering, häufig Ablehnung ohne Behandlungsnachweis

Diese Werte sind Richtwerte, keine Garantie für deinen Einzelfall. Ein Gesamtcholesterin über 250 mg/dl gilt bei vielen Versicherern zusätzlich als eigenständiges Warnsignal, unabhängig vom LDL-Anteil.

Welcher Faktor entscheidet am stärksten über deinen Zuschlag?

Ob du bereits behandelt wirst, wiegt fast so schwer wie der Wert selbst. Ein gut eingestelltes Cholesterin unter Statin-Therapie wird von den meisten Versicherern deutlich günstiger bewertet als ein identisch hoher, aber unbehandelter Wert, weil die Therapie das langfristige Risiko nachweislich senkt.

Fast genauso wichtig sind Begleitrisiken. Kommen Bluthochdruck, Diabetes oder starkes Übergewicht hinzu, verschärft sich die Prüfung zusätzlich, weil sich mehrere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegenseitig verstärken. Eine familiäre Vorbelastung, etwa eine bekannte familiäre Hypercholesterinämie, wird ebenfalls strenger geprüft, weil sie schon bei jüngeren Antragstellern zu Gefäßschäden führen kann.

Warum bewerten Versicherer Cholesterin so unterschiedlich streng?

Aus Sicht der PKV geht es weniger um den Laborwert an sich als um die langfristig zu erwartenden Leistungskosten. Dauerhaft erhöhtes LDL gilt als wissenschaftlich gut belegter Risikofaktor für Arteriosklerose, und moderne Cholesterinsenker wie PCSK9-Hemmer sind deutlich teurer als klassische Statine, was die Kalkulation zusätzlich beeinflusst.

Wie streng ein Versicherer prüft, unterscheidet sich trotzdem erheblich: Manche Gesellschaften setzen bereits ab einem LDL von 160 mg/dl Zuschläge an, andere zeigen sich deutlich kulanter, solange keine weiteren Risikofaktoren vorliegen. Diese Bandbreite macht einen Marktvergleich bei Cholesterin besonders lohnenswert.

Kannst du einen bestehenden Zuschlag später wieder loswerden?

Ja, und das wird oft übersehen. Nach Paragraf 41 des Versicherungsvertragsgesetzes kannst du eine Überprüfung deines Risikozuschlags verlangen, sobald sich der gefahrerhebliche Umstand, in diesem Fall dein Cholesterinwert, dauerhaft verbessert hat. Das Landgericht München entschied 2023, dass der Versicherer dabei nachvollziehbar begründen muss, warum ein Zuschlag trotz vorgelegter aktueller Laborwerte bestehen bleibt, nicht du musst deine gesamte Kalkulation offenlegen.

Ein einzelner guter Laborwert reicht dafür allerdings nicht aus. Das Amtsgericht München wies 2022 eine entsprechende Klage ab, weil nur ein einzelner, noch erhöhter Befund vorlag. Für eine erfolgreiche Überprüfung brauchst du mehrere Werte über einen längeren Zeitraum, die eine stabile Verbesserung belegen.

Was passiert bei einer Ablehnung durch jeden Versicherer im Normalverfahren?

Dann bist du trotzdem nicht ohne Option. Der PKV-Basistarif unterliegt dem gesetzlichen Kontrahierungszwang, jeder Versicherer, der ihn anbietet, muss dich dort unabhängig von deinem Gesundheitszustand aufnehmen, ohne Risikozuschlag und ohne Leistungsausschluss.

Der Leistungsumfang orientiert sich am Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung und ist damit schlanker als ein regulärer PKV-Volltarif. Bei stark erhöhtem, unbehandeltem Cholesterin mit mehreren Begleitrisiken bleibt er aber oft die einzige realistische Möglichkeit, in die PKV zu kommen.

Hast du als Beamter einen leichteren Zugang zur PKV trotz erhöhtem Cholesterin?

Ja. Über die Öffnungsaktion des PKV-Verbands müssen teilnehmende Versicherer Beamte unabhängig vom Gesundheitszustand aufnehmen, Leistungsausschlüsse sind ausgeschlossen und der Risikozuschlag ist auf maximal 30 Prozent gedeckelt. Bei stark erhöhtem Cholesterin, das im Normalverfahren zur Ablehnung führen kann, ist das ein verlässlicher zweiter Weg.

Die Frist beträgt in der Regel sechs Monate ab Beginn des Beamtenverhältnisses und ist nicht verlängerbar. 2026 haben sich einzelne Gesellschaften aus der Öffnungsaktion zurückgezogen, ein guter Grund, die Frist nicht bis zum letzten Tag auszureizen.

Welche Unterlagen solltest du für deine Risikovoranfrage vorbereiten?

  • Deinen aktuellsten Laborbericht mit LDL-, HDL- und Gesamtcholesterinwert.
  • Bei bestehender Therapie ein ärztliches Attest, das Medikation und Behandlungsverlauf bestätigt.
  • Bei bereits verbesserten Werten mehrere aufeinanderfolgende Laborberichte, die die stabile Entwicklung über mehrere Monate zeigen.
  • Angaben zu Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht, damit die Anfrage dein Gesamtbild zeigt.

Ein sauber dokumentierter Therapieverlauf ist bei Cholesterin oft der Unterschied zwischen einem pauschalen Zuschlag und einer Einstufung, die deine tatsächliche Behandlung würdigt. Deshalb rate ich niemandem, direkt mit den echten Daten bei einem einzelnen Versicherer anzufragen. Eine Ablehnung wird im Hinweis- und Informationssystem der Branche erfasst und muss bei späteren Anträgen anderer Gesellschaften angegeben werden, was deine Chancen dort zusätzlich verschlechtert. Der sicherere Weg ist eine anonyme Risikovoranfrage, bei der ein Makler deine Situation ohne Namensnennung bei mehreren Versicherern gleichzeitig prüfen lässt. Bei PKV mit System hole ich diese Voranfrage für dich ein, damit du dein voraussichtliches Ergebnis kennst, bevor ein echter Antrag gestellt wird und eine mögliche Ablehnung in der Branchendatei landet.

Welche Fragen stellen sich noch zu PKV und Cholesterin?

Muss ich für den PKV-Antrag ein aktuelles Blutbild machen lassen?

Nein, eine Pflicht zu neuen Laboruntersuchungen gibt es nicht. Du gibst nur die Werte an, die dir bereits bekannt sind.

Verschwindet der Zuschlag automatisch wenn sich meine Werte bessern?

Nein, du musst aktiv eine Überprüfung nach Paragraf 41 VVG beantragen und mehrere aktuelle Laborwerte als Nachweis vorlegen.

Zählt ein einmalig erhöhter Wert aus einer alten Untersuchung noch?

Nur wenn er im abgefragten Zeitraum des Antrags liegt und dir zum Zeitpunkt des Antrags bekannt ist. Ein einzelner alter Ausreißer ohne weitere Bedeutung muss nicht zwingend angegeben werden.

Wird HDL-Cholesterin genauso streng geprüft wie LDL?

Nein, HDL gilt als schützender Faktor und wird deutlich seltener zum Anlass für einen Zuschlag. Die Risikoprüfung konzentriert sich fast ausschließlich auf erhöhtes LDL und den Gesamtcholesterinwert.

Wenn du wissen willst, wie deine Cholesterinwerte bei den verschiedenen Versicherern eingeschätzt werden, buch dir hier ein kostenloses Erstgespräch mit mir. Ich zeige dir, welcher Anbieter für deine Situation realistisch infrage kommt.

David Spradau
David Spradau
PKV-Berater seit +5 Jahren

David Spradau ist PKV-Spezialist im Experten-Netzwerk der VB Select. Als ausgebildeter Physiotherapeut und Betriebswirt im Gesundheitsmanagement bewertet er Leistungen danach, was im Ernstfall beim Patienten ankommt. Seit über fünf Jahren berät er zur Tarifwahl und zur Tarifoptimierung nach § 204 VVG und hat dabei über 250 Menschen begleitet.

  • Physiotherapeut: Recura Akademie, Abschluss im Jahr 2012
  • Betriebswirt Gesundheitsmanagement: VWA Mecklenburg-Vorpommern, Abschluss im Jahr 2020
  • Bachelor of Business Administration: Steinbeis Hochschule, Abschluss im Jahr 2021
  • Versicherungsfachmann: Industrie- und Handelskammer Leipzig
  • Experte betriebliche Altersvorsorge: Deutsche Versicherungsakademie, Abschluss im Jahr 2023

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David Spradau
David Spradau
PKV-Berater seit +5 Jahren