Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gilt nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation als übergewichtig, aktuelle RKI-Zahlen nennen 53,5 Prozent, knapp 20 Prozent gelten sogar als adipös. Private Krankenversicherer rechnen beim Thema Übergewicht fast ausschließlich mit einer Zahl: deinem Body-Mass-Index.
Das Wichtigste in Kürze
- Bis etwa BMI 28 bis 30 nehmen dich die meisten Versicherer ohne Zuschlag an, manche verlangen schon ab BMI 25 erste Aufschläge.
- Ab BMI 30 setzen alle Versicherer automatisch einen Zuschlag zwischen 10 und 40 Prozent an.
- Zwischen BMI 33 und 36 lehnen die ersten Versicherer komplett ab, Inter bereits ab 33, DKV und Universa ab 35, BBKK und Hallesche erst ab 36.
- Ab BMI 35 lehnen über 85 Prozent aller Versicherer ab, der Rest verlangt 40 bis 50 Prozent Zuschlag.
- Ein 30-Prozent-Zuschlag auf einen 300-Euro-Beitrag summiert sich über 20 Jahre auf rund 21.600 Euro, die Wahl des Versicherers entscheidet hier über mehrere Tausend Euro.
Warum ist dein BMI für die PKV die entscheidende Zahl?
Auch bei Kindern und Jugendlichen ist Übergewicht keine Randerscheinung: Laut KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts sind 15,4 Prozent der 3- bis 17-Jährigen übergewichtig, 5,9 Prozent davon adipös, mit steigender Tendenz im Jugendalter. Das betrifft auch Eltern, die ihre Kinder frühzeitig privat versichern wollen, denn dieselben Grenzwerte gelten später ebenso für sie.
Ob Übergewicht bei dir eher zu einem Zuschlag oder zu einer Ablehnung führt, kannst du in meinem Vorerkrankungs-Check nachprüfen.
Anders als bei vielen psychischen oder chronischen Vorerkrankungen lässt sich Übergewicht in einer einzigen Zahl ausdrücken, und das macht die Kalkulation für Versicherer einfach. Der Body-Mass-Index gilt statistisch als verlässlicher Risikofaktor für Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Bandscheibenvorfälle oder Gelenkprobleme, und darauf bauen die Versicherer ihre Tarife auf.
Für dich bedeutet das: Du kannst deine ungefähre Einstufung schon vor dem Antrag selbst ausrechnen, mit deinem aktuellen Gewicht und deiner Körpergröße. Der BMI ergibt sich aus dem Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat, bei 1,70 Meter und 80 Kilogramm macht das einen Wert von rund 27,7.
Welche BMI-Bereiche unterscheiden Zuschlag Ablehnung und Normalannahme?
Die BMI-Schwellen unterscheiden sich leicht von Versicherer zu Versicherer, folgen aber alle demselben Grundmuster. Fünf Bereiche entscheiden über deinen Antrag, von normaler Annahme bis zur praktisch sicheren Ablehnung.
| BMI-Bereich | WHO-Klassifikation | Typischer Zuschlag | Aufnahmechance |
|---|---|---|---|
| unter 18,5 | Untergewicht | 0 bis 15 % | etwa 80 % |
| 18,5 bis 24,9 | Normalgewicht | 0 % | über 99 % |
| 25,0 bis 29,9 | Übergewicht | 0 bis 10 % | über 95 % |
| 30,0 bis 34,9 | Adipositas Grad I | 10 bis 40 % | 60 bis 80 % |
| 35,0 bis 39,9 | Adipositas Grad II | 40 bis 50 % | 10 bis 20 % |
| ab 40,0 | Adipositas Grad III | meist Ablehnung | unter 15 % |
Die entscheidende Linie liegt in der Praxis zwischen BMI 33 und 36, hier kann ein einziges Kilogramm über Versicherungsschutz oder Ablehnung entscheiden. Die Ablehnungsgrenzen unterscheiden sich zusätzlich von Versicherer zu Versicherer: Inter lehnt schon ab BMI 33 ab, DKV und Universa erst ab 35, BBKK und Hallesche sogar erst ab 36, während die SdK ganz ohne feste Grenze individuell prüft.
Wie unterschiedlich bewerten einzelne Versicherer denselben BMI?
Auch unterhalb der Ablehnungsgrenzen zahlst du je nach Versicherer sehr unterschiedlich viel. Die Grenzwerte für den jeweiligen Haupttarif fallen breit gestreut aus, Nebentarife desselben Anbieters können davon leicht abweichen.
| Versicherer | Übergewichtsgrenze |
|---|---|
| DKV | bis unter 27,5 kein Zuschlag, ab 35 Ablehnung |
| AXA, Continentale | ab 26,5 nur noch über eine Voranfrage |
| Hanse Merkur | bis 27,9 normale Annahme, 28 bis 31,49 individuelle Zuschläge |
| Inter | bis 29 ohne Zuschlag, ab 33 Ablehnung |
| Concordia, Gothaer | ab etwa 29 Risikozuschlag |
| Deutscher Ring | bis 29,9 ohne Zuschlag, 30 bis 31,9 Zuschlag, ab 32 Ablehnung |
| R+V, Württembergische, LKH | bis unter 29,5 ohne Einschränkung |
| Allianz | bis 29,5 ohne Einschränkung |
| BBKK, Hallesche | bis 29,9 ohne Zuschlag, danach individuell bis 35,9, ab 36 Ablehnung |
| Alte Oldenburger | tendenziell bis unter 30 ohne Einschränkung |
| Nürnberger | bis 30 ohne Zuschlag, Zuschlag bis 34,9, danach Ablehnung |
| Münchener Verein | bis 30 ohne Zuschlag, ab 35 Ablehnung, dazwischen rund 20 % Zuschlag |
| Universa | ab 30 Zuschlag, ab 35 Ablehnung |
| Barmenia | bis 30,9 ohne Zuschlag, bei neueren Beamtentarifen bereits ab 30,0 Zuschlag |
| Signal Iduna | 30 bis 32 Zuschlag, ab etwa 34 Ablehnung |
| ARAG | rechnet nicht mit BMI, sondern mit Prozent Übergewicht zur Normgröße, ab 20 % Zuschlag |
| SdK | keine feste Grenze, individuelle Prüfung |
Was das für deinen Beitrag bedeutet, lässt sich leicht durchrechnen. Ein Versicherer, der schon ab BMI 27,5 nichts verlangt wie die DKV, und einer, der bis 29,9 komplett ohne Zuschlag versichert wie die BBKK, führen beim selben BMI zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Bei einem Monatsbeitrag von 300 Euro macht ein Unterschied von 15 Prozentpunkten Zuschlag rund 45 Euro mehr im Monat, über 20 Jahre gerechnet sind das etwa 10.800 Euro. Ein voller 30-Prozent-Zuschlag auf denselben Beitrag summiert sich über denselben Zeitraum sogar auf rund 21.600 Euro. Ein Vergleich mehrerer Versicherer lohnt sich bei Übergewicht deshalb stärker als bei den meisten anderen Vorerkrankungen.
Spielt neben dem Gewicht noch etwas anderes eine Rolle?
Ja, bei vielen Anbietern zumindest. Sie prüfen den Einzelfall und werfen einen Blick auf mehrere Werte gleichzeitig statt nur auf die Zahl der Waage:
- Blutdruck, weil Bluthochdruck eine häufige Folgeerkrankung von Übergewicht ist.
- Blutfette und Cholesterinwerte als zusätzlicher Hinweis auf das Herz-Kreislauf-Risiko.
- Blutzucker beziehungsweise Diabetes-Risiko, besonders relevant ab Adipositas Grad I.
- Taillenumfang als Ergänzung zum BMI.
- Fitnesszustand und Muskelanteil, sofern durch ein Attest belegbar.
Das erklärt auch, warum reine Muskelmasse den BMI rechnerisch genauso erhöht wie Körperfett, in der Praxis aber oft milder bewertet wird, sobald das belegt werden kann.
Der Taillenumfang gilt neben dem BMI als eigener Risikoindikator. Ab 88 Zentimetern bei Frauen und 102 Zentimetern bei Männern steigt das Risiko für Stoffwechselstörungen und Herzkrankheiten spürbar, unabhängig davon, ob der BMI selbst noch unter 30 liegt. Manche Versicherer beziehen diesen Wert zusätzlich ein, vor allem wenn du knapp unter einer kritischen BMI-Schwelle liegst.
Welche Unterlagen solltest du vor dem Antrag bei deinem Arzt anfordern?
Bei Übergewicht zählt für die Risikoprüfung mehr als Größe und Gewicht. Diese Unterlagen solltest du bei deinem Hausarzt anfragen, damit die Prüfung dein tatsächliches Gesundheitsbild sieht, nicht nur die Zahl auf der Waage:
- Aktuelle Blutwerte, insbesondere Blutzucker, Cholesterin, Blutdruck und Leberwerte.
- Ein ärztliches Attest oder Laborbericht, der bestätigt, dass abgesehen vom Gewicht keine weiteren Risikofaktoren vorliegen.
- Bei bereits erfolgter Gewichtsabnahme eine aktuelle Bescheinigung über dein neues Gewicht und deinen BMI, mit Bestätigung, dass keine übergewichtsbedingten Folgeerkrankungen bestehen.
Ein vollständiges, positives Attest macht oft den Unterschied zwischen einem Versicherer, der nur auf den BMI schaut, und einem, der dein Gesamtbild würdigt und dafür einen niedrigeren Zuschlag ansetzt.
Kannst du einen bestehenden Zuschlag nach einer Gewichtsabnahme wieder loswerden?
Ja, und dieses Recht wird oft übersehen. Nach Paragraf 41 des Versicherungsvertragsgesetzes kannst du einen Risikozuschlag überprüfen lassen, sobald sich der gefahrerhebliche Umstand, in diesem Fall dein Gewicht, dauerhaft verändert hat. Sinkt dein BMI zurück in den Bereich zwischen 18,5 und 24,9 und du kannst das ärztlich belegen, kann dein Versicherer den Zuschlag reduzieren oder streichen.
Entscheidend ist die Dauerhaftigkeit: Eine Diät kurz vor einem Antrag auf Neubewertung wird kritisch geprüft, ein über Monate stabiles neues Gewicht dagegen deutlich eher anerkannt.
Wenn du als Angestellter für die PKV infrage kommst, filtere ich mit dir vor einem echten Antrag die Versicherer heraus, die bei deinem BMI erfahrungsgemäß am moderatesten bewerten. Bei PKV mit System hole ich dafür zusätzlich eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern gleichzeitig ein, damit dein voraussichtliches Ergebnis feststeht, bevor dein BMI in einem echten Antrag bei einer einzelnen Gesellschaft landet.
Welche Fragen stellen sich noch zu PKV und Übergewicht?
Reicht eine Gewichtsabnahme vor dem Antrag um den Zuschlag zu senken?
Ja, ein dauerhaft niedrigerer BMI zum Zeitpunkt des Antrags wirkt sich direkt auf die Einstufung aus. Eine Abnahme kurz vor dem Antrag wird dagegen kritisch geprüft.
Zählen Muskelmasse und Sportlichkeit beim BMI mit?
Der BMI selbst unterscheidet nicht zwischen Muskeln und Fett. Versicherer mit umfassender Prüfung berücksichtigen das aber oft zusätzlich, etwa über Blutwerte oder ein ärztliches Attest.
Wird ein späterer Gewichtsverlust automatisch im Vertrag berücksichtigt?
Nein, du musst aktiv eine Neubewertung nach Paragraf 41 VVG beantragen und die dauerhafte Gewichtsabnahme nachweisen. Automatisch passiert das nicht.
Musst du deinen BMI im Antrag exakt angeben?
Du gibst Größe und Gewicht an, aus denen der Versicherer den BMI selbst berechnet. Beide Werte sollten der Realität entsprechen, da sie später überprüfbar sind.
Wenn du wissen willst, wie dein BMI bei den verschiedenen Versicherern eingeschätzt wird, buch dir hier ein kostenloses Erstgespräch mit mir. Ich zeige dir, welcher Anbieter für deine Situation realistisch infrage kommt und wie viel du durch die richtige Wahl sparen kannst.