Kaum ein Thema sorgt bei Ärztinnen und Ärzten für so viel Verwirrung wie das Versorgungswerk. Viele gehen davon aus, dass es auch ihre Krankenversicherung im Alter irgendwie mitregelt. Das stimmt nicht, und dieses Missverständnis kann später zu einer bösen finanziellen Überraschung führen, wenn die Altersvorsorge nicht rechtzeitig entsprechend geplant wurde.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Versorgungswerk ersetzt für Kammerberufe die gesetzliche Rentenversicherung, nicht die Krankenversicherung.
- Die Mitgliedschaft entsteht kraft Gesetzes durch deine Kammerzugehörigkeit, ohne dass du sie beantragen musst.
- Eine Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung gilt nur für dein aktuelles Beschäftigungsverhältnis und muss bei jedem Arbeitgeberwechsel neu beantragt werden.
- Wer im Alter ausschließlich Versorgungswerksrente bezieht, hat keinen Zugang zur Krankenversicherung der Rentner (KVdR) und keinen Zuschuss zur PKV.
- Das gilt unabhängig davon, ob du während deines Berufslebens gesetzlich oder privat krankenversichert warst, entscheidend ist allein der fehlende Bezug einer gesetzlichen Rente von der Deutschen Rentenversicherung.
- Diese Lücke solltest du frühzeitig in deine private Altersvorsorge einplanen, nicht erst kurz vor der Rente.
Was ist das Versorgungswerk?
Das Versorgungswerk ist die berufsständische Altersvorsorge für Angehörige verkammerter freier Berufe. Es zahlt Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrenten und ersetzt für diese Berufsgruppen die gesetzliche Rentenversicherung vollständig, organisiert jeweils auf Ebene der einzelnen Bundesländer und ihrer Kammern.
Zu den Kammerberufen mit eigenem Versorgungswerk zählen bundesweit:
- Ärzte
- Zahnärzte
- Tierärzte
- Apotheker
- Rechtsanwälte
- Notare, in mehreren Bundesländern gemeinsam mit den Rechtsanwälten in einer Rechtsanwalts- und Notarversorgung
- Steuerberater und Steuerbevollmächtigte
- Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer
- Architekten
- Ingenieure, allerdings nur in einigen Bundesländern mit eigenem Versorgungswerk
- Psychotherapeuten, ebenfalls nur in einigen Bundesländern eigenständig organisiert
Bundesweit gibt es rund 85 einzelne Versorgungswerke für diese Berufsgruppen, da viele von ihnen länderspezifisch organisiert sind. Ein angestellter Zahnarzt in Bayern zahlt deshalb in ein anderes Versorgungswerk ein als eine Kollegin in Nordrhein-Westfalen, auch wenn das Grundprinzip identisch bleibt.
Anders als die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung arbeitet das Versorgungswerk kapitalgedeckt: Deine Beiträge werden am Kapitalmarkt angelegt und bilden die Grundlage für deine spätere Rente, ähnlich dem Prinzip, das du vielleicht schon von der PKV kennst. Die im Versorgungswerk eingeschlossene Berufsunfähigkeitsrente deckt dabei oft nur einen Grundbedarf ab, ob sie für deine individuelle Lebenssituation ausreicht oder eine ergänzende private BU sinnvoll ist, prüfe ich bei PKV mit System gemeinsam mit dir im Rahmen deiner gesamten Absicherung.
Warum hat das Versorgungswerk nichts mit deiner Krankenversicherung zu tun?
Die Mitgliedschaft im Versorgungswerk entsteht automatisch durch deine Zugehörigkeit zur jeweiligen Kammer, etwa der Ärztekammer, unabhängig davon, ob du angestellt oder selbstständig arbeitest. Sie betrifft ausschließlich deine Altersvorsorge, nicht deine Krankenversicherung. Ob du gesetzlich oder privat krankenversichert bist, entscheidest du davon vollkommen unabhängig, nach den üblichen Regeln für Angestellte, Selbstständige oder Beamte.
Viele Berufseinsteiger vermischen beide Themen gedanklich, weil sie zeitlich oft zusammen mit dem Berufsstart auftauchen. Für deine Krankenversicherungsentscheidung spielt deine Versorgungswerksmitgliedschaft aber keine direkte Rolle.
Wie funktioniert die Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung?
Da du als Kammermitglied bereits über das Versorgungswerk abgesichert bist, kannst du dich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen, um nicht doppelt einzuzahlen. Voraussetzung dafür ist deine bestätigte Mitgliedschaft sowohl in der Kammer als auch im Versorgungswerk, das Versorgungswerk leitet deinen Befreiungsantrag an die Deutsche Rentenversicherung weiter.
Wichtig zu wissen: Diese Befreiung gilt immer nur für dein aktuelles Beschäftigungsverhältnis bei deinem aktuellen Arbeitgeber. Wechselst du die Stelle, musst du die Befreiung für das neue Arbeitsverhältnis erneut beantragen, sonst zahlst du unter Umständen zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung ein.
Was ist die Krankenversicherung der Rentner und warum bleibt sie dir verschlossen?
Die Krankenversicherung der Rentner, kurz KVdR, ist die vergünstigte Pflichtversicherung für gesetzlich Versicherte im Ruhestand. Der Zugang setzt zwei Bedingungen gleichzeitig voraus: Du musst mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte deines Erwerbslebens gesetzlich krankenversichert gewesen sein, die sogenannte Vorversicherungszeit, und du musst tatsächlich eine gesetzliche Rente von der Deutschen Rentenversicherung beziehen oder beantragt haben. Eine reine Versorgungswerksrente erfüllt diese zweite Bedingung nicht, egal wie lange du eingezahlt hast.
Für Kammerangehörige wird diese zweite Bedingung zum Problem, und zwar unabhängig davon, ob du während deiner Berufsjahre gesetzlich oder privat krankenversichert warst. Wer sich über das Versorgungswerk von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lässt, zahlt in aller Regel keine oder nur sehr geringe Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung ein und bezieht im Ruhestand entsprechend keine oder nur eine minimale gesetzliche Rente. Ohne diese Rente bleibt dir die KVdR verschlossen, selbst wenn du all die Jahre freiwillig gesetzlich krankenversichert warst und die Vorversicherungszeit locker erfüllt hättest.
Hilft dir eine durchgehende GKV-Mitgliedschaft während des Berufslebens?
Bei der Krankenversicherung der Rentner allein nicht, das ist der Punkt, den viele Kammerangehörige unterschätzen. Da die fehlende KVdR-Berechtigung an deiner gesetzlichen Rente hängt und nicht an deiner Krankenkassenwahl während des Berufslebens, bringt dir eine durchgehende freiwillige GKV-Mitgliedschaft für sich genommen keinen Zugang zur günstigen Rentnerversicherung. Bleibst du im Alter freiwillig gesetzlich versichert, zahlst du deinen Beitrag stattdessen nach den Regeln für freiwillig Versicherte, und die sind spürbar teurer als die KVdR.
Der Unterschied liegt in der Berechnungsgrundlage: Als KVdR-Pflichtversicherter zahlst du nur auf deine gesetzliche Rente und eventuelle Betriebsrenten Beiträge. Als freiwillig versicherter Rentner ohne KVdR-Zugang werden zusätzlich Kapitalerträge, Mieteinnahmen und private Renten wie deine Versorgungswerksrente in vollem Umfang herangezogen, bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Das führt bei Kammerangehörigen im Ruhestand häufig zum GKV-Höchstbeitrag, unabhängig davon, wie sie vorher krankenversichert waren.
Was bedeutet das für deinen PKV-Beitrag im Alter?
Bist du privat krankenversichert, entfällt für dich der übliche Zuschuss der Rentenversicherung zu deinem PKV-Beitrag, den gesetzlich Rentenversicherte erhalten, da dieser Zuschuss ebenfalls an den Bezug einer gesetzlichen Rente gekoppelt ist. Deinen vollen PKV-Beitrag im Alter trägst du damit allein, ohne den hälftigen Zuschuss, der Rentnern mit klassischer gesetzlicher Rente zusteht. Diesen Effekt lässt sich mit einer gezielten PKV-Ausfinanzierung während der aktiven Berufsjahre abfedern, bei PKV mit System rechne ich dir durch, welche Einmalzahlung deinen Beitrag im Ruhestand spürbar dämpft.
Dieselbe Systematik gilt übrigens auch für die Pflegeversicherung der Rentner, die an dieselben Voraussetzungen wie die KVdR gekoppelt ist. Wer bei der Krankenversicherung keinen Zugang zur Rentnerversicherung hat, hat ihn bei der Pflegeversicherung ebenso wenig.
Welcher Faktor entscheidet am stärksten über deine Absicherung im Alter?
Wie früh du diese Lücke erkennst und in deine Finanzplanung einbeziehst. Wer schon während der aktiven Berufsjahre weiß, dass im Alter kein Zuschuss zur Krankenversicherung von der Rentenversicherung kommt, kann gezielt zusätzliche Rücklagen aufbauen, etwa über eine eigene, steueroptimierte Altersvorsorge oder einen PKV-Tarif mit ausreichenden Alterungsrückstellungen. Bei PKV mit System bauen wir dir dafür ein System auf, das über die reine Tarifwahl hinausgeht und deine Krankenversicherung mit deiner separaten Altersvorsorge zusammen denkt.
Wer diese Besonderheit dagegen erst kurz vor dem Ruhestand entdeckt, hat deutlich weniger Zeit, die entstehende Lücke finanziell auszugleichen.
Welche Schritte solltest du frühzeitig klären?
- Deinen aktuellen Befreiungsstatus von der gesetzlichen Rentenversicherung, besonders nach jedem Arbeitgeberwechsel erneut prüfen.
- Deine voraussichtliche Krankenversicherungssituation im Alter, unabhängig vom Bezug deiner Versorgungswerksrente einschätzen.
- Bei PKV-Mitgliedschaft die Höhe deiner bisher aufgebauten Alterungsrückstellungen im Verhältnis zu deinem gewünschten Ruhestandsalter prüfen.
- Eine zusätzliche private Altersvorsorge einplanen, die gezielt die fehlende Bezuschussung der Krankenversicherung im Alter abfedert.
Mit dieser Vorbereitung verhinderst du, dass die Versorgungswerkslücke bei der Krankenversicherung erst im Ruhestand zur unerwarteten finanziellen Belastung wird.
Welche Fragen stellen sich noch zum Versorgungswerk?
Gilt die Versorgungswerkspflicht auch für angestellte Ärzte?
Ja, die Pflichtmitgliedschaft gilt unabhängig davon, ob du angestellt oder selbstständig tätig bist, solange du Mitglied der jeweiligen Kammer bist.
Kann ich zusätzlich freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?
In bestimmten Konstellationen ist das möglich, etwa wenn du vor deiner Kammerzugehörigkeit bereits gesetzliche Rentenansprüche erworben hast, das solltest du im Einzelfall prüfen lassen.
Betrifft die fehlende KVdR-Berechtigung auch meinen Ehepartner?
Das hängt von dessen eigener Erwerbsbiografie ab, ein Ehepartner mit ausreichender gesetzlicher Rentenversicherungszeit kann eigenständig KVdR-berechtigt sein.
Zählen andere Kammerberufe wie Apotheker oder Steuerberater ebenso zur Versorgungswerkspflicht?
Ja, das Prinzip von Versorgungswerk und fehlender Bezuschussung im Alter gilt für alle im Artikel genannten Kammerberufe mit eigenem Versorgungswerk in vergleichbarer Weise.
Reicht eine fast durchgehende gesetzliche Versicherung für die Vorversicherungszeit der KVdR aus?
Die Vorversicherungszeit allein reicht nicht, ohne den zusätzlichen Bezug einer gesetzlichen Rente von der Deutschen Rentenversicherung bleibt dir die KVdR trotzdem verschlossen.
Behalte ich Ansprüche auf eine kleine gesetzliche Rente aus einer Beschäftigung vor der Kammerzugehörigkeit?
Möglich, wenn du vor deiner Befreiung bereits Pflichtbeiträge in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt hast, kann daraus ein kleiner eigenständiger Rentenanspruch entstehen, der die KVdR-Bedingungen aber nur in Ausnahmefällen tatsächlich erfüllt.
Wenn du wissen willst, wie du die fehlende Krankenversicherungs-Bezuschussung im Alter für dich am besten abfederst, buch dir hier ein kostenloses Erstgespräch mit mir. Ich rechne mit dir durch, wie deine Absicherung im Ruhestand aussehen sollte.